Hagebutte

Die Hagebutte – der Alleskönner unter den heimischen Wildfrüchten

Wenn im Herbst die Blätter fallen und die Natur sich langsam auf den Winter vorbereitet, leuchten sie weithin sichtbar an den Wildrosensträuchern: kräftig rote Hagebutten. Die kleinen Früchte der Wildrose sind nicht nur ein wunderschöner Farbtupfer in der herbstlichen Landschaft, sondern auch wahre Alleskönner.

Ihre besondere Kombination aus Vitamin C, Carotinoiden, Flavonoiden, Galaktolipiden, ungesättigten Fettsäuren und weiteren Pflanzenstoffen macht die Hagebutte zu einer der interessantesten heimischen Wildfrüchte.

Hagebuttenzeit: Oktober und November

Die klassische Hagebuttenzeit liegt im Oktober und November. Je nach Witterung und Standort können die ersten Früchte bereits im September reif sein. Erkennbar sind reife Hagebutten an ihrer kräftigen roten bis orange-roten Färbung.

Geerntet werden können die Früchte jedoch deutlich länger: Auch nach dem ersten Frost und bis in den Winter hinein können Hagebutten gesammelt werden. In milden Wintern ist sogar eine Ernte bis ins Frühjahr des Folgejahres möglich, solange die Früchte noch in gutem Zustand sind.

Mit zunehmender Kälte werden die Hagebutten weicher und ihr Geschmack milder und süßer. Wer allerdings möglichst viel Vitamin C erhalten möchte, erntet die Früchte idealerweise vor stärkeren Frösten, da der Vitamin-C-Gehalt mit zunehmender Reife und Lagerung schwanken und abnehmen kann.

Warum die Hagebutte ein echter Alleskönner ist

Die Bezeichnung „Alleskönner“ kommt nicht von ungefähr. Kaum eine andere heimische Wildfrucht lässt sich so vielseitig nutzen – und gleichzeitig findet sich in ihr eine beeindruckende Kombination verschiedener wertvoller Inhaltsstoffe.

Vitamin C – der natürliche Radikalfänger

Besonders bekannt ist die Hagebutte für ihren hohen natürlichen Vitamin-C-Gehalt. Die genaue Menge kann je nach Art, Reifegrad, Verarbeitung und Lagerung deutlich schwanken. Dennoch zählt die Hagebutte zu den besonders vitamin-C-reichen heimischen Früchten.

Vitamin C erfüllt im menschlichen Körper zahlreiche wichtige Funktionen. Dazu gehört auch der Schutz der Zellen vor oxidativem Stress. Deshalb wird Vitamin C gerne als natürlicher „Radikalfänger“ bezeichnet.

Freie Radikale entstehen ganz natürlich im Stoffwechsel, können aber auch durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung oder Umweltbelastungen begünstigt werden. Antioxidative Stoffe helfen dabei, ein Übermaß an oxidativem Stress abzufangen.

Neben Vitamin C enthält die Hagebutte weitere antioxidativ interessante Pflanzenstoffe wie Carotinoide und Flavonoide.

Galaktolipide – interessant für die Gelenke

Eine besondere Rolle spielen die in der Hagebutte enthaltenen Galaktolipide. Dabei handelt es sich um Verbindungen aus Zucker und Fettsäuren. Ein bestimmtes Galaktolipid aus der Hagebutte, häufig unter der Bezeichnung GOPO diskutiert, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Forschungsarbeiten beschäftigen sich insbesondere mit möglichen entzündungsmodulierenden Eigenschaften und dem Einfluss von Hagebuttenbestandteilen auf Prozesse, die bei Gelenkbeschwerden eine Rolle spielen. Auch für Hagebuttenpulver gibt es Untersuchungen zu Beschwerden bei Arthrose.

In der traditionellen Pflanzenkunde wird die Hagebutte deshalb gerne als Unterstützung für den Bewegungsapparat beschrieben. Begriffe wie „Gelenkfutter“, „antirheumatisch“ oder „gegen Gicht und Rheuma“ sollten dabei jedoch als traditionelle beziehungsweise unterstützende Einordnung verstanden werden und nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung.

Gerade diese Kombination aus antioxidativen und entzündungsmodulierenden Pflanzenstoffen macht die Hagebutte zu einer bemerkenswerten Pflanze.

Hagebuttenkernöl – wertvoll für die Haut

Doch damit nicht genug: Auch die Kerne der Hagebutte sind interessant.

Aus ihnen wird das bekannte Hagebuttenkernöl gewonnen. Das Öl enthält verschiedene ungesättigte Fettsäuren, darunter Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Besonders interessant ist dabei die enthaltene Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure.

Hagebuttenkernöl wird deshalb besonders gerne zur äußerlichen Hautpflege eingesetzt. Es lässt sich beispielsweise in die Pflege trockener oder beanspruchter Haut integrieren und ist aufgrund seiner wertvollen Fettsäuren ein beliebter Bestandteil natürlicher Kosmetik.

Damit zeigt die Hagebutte erneut ihre Vielseitigkeit: Fruchtfleisch für Ernährung und Tee – Kerne für ein wertvolles Pflanzenöl.

Warum juckt die Hagebutte eigentlich?

Wer als Kind schon einmal mit Hagebutten „Juckpulver“ hergestellt hat, kennt die Antwort: Die kleinen Härchen rund um die Kerne sind der Grund für den Juckreiz.

Im Inneren der Hagebutte befinden sich zahlreiche kleine Kerne beziehungsweise Nüsschen. Um diese herum sitzen feine, borstige Härchen. Diese können Haut und Schleimhäute reizen und dadurch einen unangenehmen Juckreiz verursachen.

Deshalb sollte man die Hagebutte nicht einfach mit Kernen und Härchen verzehren.

Wer frische Hagebutten verarbeitet, kann die Früchte aufschneiden und Kerne samt Härchen sorgfältig entfernen. Bei größeren Mengen ist es allerdings wesentlich einfacher, die Hagebutten weich zu kochen und anschließend durch ein sehr feines Sieb oder eine „Flotte Lotte“ zu passieren. Auf diese Weise bleiben Kerne und Härchen zurück, während das wertvolle Fruchtmark gewonnen wird.

Für Tee bietet sich dagegen eine andere Methode an: Die frisch geernteten Hagebutten werden zunächst getrocknet und erst anschließend verarbeitet.

Hagebutten trocknen – so geht's

Für einen Vorrat an Hagebuttentee werden die reifen Früchte nach der Ernte zunächst gründlich kontrolliert und gewaschen.

Anschließend können sie halbiert oder – bei größeren Früchten – etwas zerkleinert werden. Die Hagebutten sollten an einem luftigen, trockenen Ort bei möglichst niedriger Temperatur getrocknet werden. Eine schonende Trocknung hilft dabei, hitzeempfindliche Inhaltsstoffe möglichst gut zu erhalten.

Sind die Früchte vollständig durchgetrocknet, werden sie luftdicht und dunkel gelagert. So steht der eigene Hagebuttenvorrat auch im Winter zur Verfügung.

Rezeptidee

Hagebuttentee aus selbst gesammelten Hagebutten

Ein klassischer Hagebuttentee lässt sich wunderbar aus den im Herbst gesammelten und anschließend getrockneten Früchten herstellen.